Hanf: die wohl vielseitigste Pflanze der Welt

Die Samen der Nutzhanfpflanze werden als Hanfsamen oder Hanfkorn bezeichnet. Diese braunen Nussfrüchte mit einer Größe von zirka drei bis sechs Millimetern besitzen eine Vielzahl an gesunden Inhaltsstoffen. Sie werden ohne weitere Verarbeitung bei der Lebensmittelherstellung eingesetzt und auch das hochwertige Hanfsamenöl wird daraus gewonnen.

Textilien

Bereits vor tausenden Jahren wurde Hanf für Herstellung von Textilien und Seilen verwendet. Hanffasern sind etwa dreimal so strapazierfähig wie Baumwolle, des Weiteren zeichnet sich die Hanffaser durch besonders hohe Reißfestigkeit aus. Durch die Entwicklung neuer Technologien zur Herstellung günstigerer Kunstfasern und die Einfuhr billigerer Naturfasern wie Jute, Sisal und Baumwolle kam es seinerzeit zum Niedergang des Hanfanbaus. Ab dem Jahre 1969 wurde Hanf in Österreich nicht mehr in Statistiken erwähnt. Erst durch den EU Beitritt 1995 wurde Cannabis sativa in Österreich wieder angebaut.

Da heutzutage das Umweltbewusstsein wieder an Bedeutung gewinnt, nimmt erfreulicherweise auch das Interesse an der Hanffaser wieder rasant zu. Die Hanfpflanze wächst mit wenig Aufwand nahezu überall – von Norwegen bis zum Äquator – und bringt hohe Erträge. Hanfpflanzen benötigen kaum Pestizide oder Herbizide und helfen so, die Umweltbelastung zu verringern. Die Hanfpflanze wächst sehr schnell und erreicht in rund hundert Tagen Erntestatus.

Hanf hat traditionell hunderte von Verwendungsmöglichkeiten: Textilien, Zelte, Farben, Lebensmittel, Papier und Baumaterial sind nur einige davon.

Hanf: Baustoff der Zukunft

Auch als Baustoff hat Hanf eine jahrtausendelange Tradition, die heute eine Renaissance erlebt: Immer öfter wird die extrem widerstandsfähige Hanffaser beim Hausbau, zum Beispiel zur Wärme- und Schalldämmung eingesetzt. Egal ob Wärmespeicherung oder -dämmung, Schall- oder Brandschutz – Hanf ist als Baustoff gefragt.

So wurden beispielsweise vor einigen Jahren ganz in unserer Nähe in Haugsdorf flexible Dämmplatten für Wände, Decken und Dächer von Naporo aus unserem Hanfstroh hergestellt.

Hanffasern

Wie kaum eine Pflanze hat Hanf über Jahrtausende hinweg Geschichte geschrieben. Seit mindestens 3.000 Jahren wird Hanf weltweit angebaut, in China wurden schon vor rund 5.000 Jahren die ersten Textilien aus Hanf gewebt und vor mehr als 2.000 Jahren Papier aus Hanf geschöpft. Darüber hinaus gewann man aus der Hanfpflanze wirksame Medizin, Nahrung, hochwertiges Öl und Fasern. Aus ihnen wurden Taue, Seile, Schnüre, Garne, Vliese und Stoffe hergestellt. Levi’s erste Jeans waren aus Hanffasern gefertigt, die als besonders reißfest und gleichzeitig schön geschmeidig galten. Auch Spezialpapiere wie Bütten, Banknoten, Vliese, Textilien und Taschen sowie Dämmstoffe werden aus den Hanffasern gefertigt und sogar die Autoindustrie setzt Hanffaservliese ein.

fasern

Die Hanffasern findet man in Lagen im Stängel bündelig angeordnet. Bei der Hanfernte werden die Fasern durch Aufbrechen der Stängel von der Pflanze getrennt, was als Faseraufschluss bezeichnet wird. Dabei wird das anfallende Hanfstroh in Fasern und Schäben getrennt.