Geschichte des Hanfanbaus 2016-10-26T11:44:19+00:00

Die Geschichte des Hanfanbaus

Hanf wurde schon vor tausenden vor Jahren als universelle Heil- und Nutzpflanze geschätzt. Die Menschen wussten bereits damals um die Vielfältigkeit und den Wert der Hanfpflanze, weshalb sie in der Geschichte immer wieder erwähnt und auch mit dem technischen Fortschritt verknüpft wird. „Hanf ist eine der ältesten und bekanntesten Kulturpflanzen, die wie kaum eine andere den Namen ‚Pflanze der Welt‘ verdient.“

Ausgehend von ihrem Ursprungsland Zentralasien gelangte die Hanfpflanze über Vorderasien nach Europa und Afrika sowie weiter nach Amerika. Schon 8000 v. Chr. wurden die ersten geschichtlichen Hanffunde datiert, die ersten schriftlichen Aufzeichnungen findet man in China um 500 v. Chr. In diesem Werk aus der Sung-Dynastie wird auch beschrieben, dass bereits im 28. Jahrhundert v. Chr. für den chinesischen Kaiser Kleider und Heilmittel aus Hanf erzeugt wurden.

Die ersten Seile aus Hanffasern wurden ebenfalls in China um etwa 2.800 v. Chr. gedreht, auch das älteste Papier der Welt ist hier um 140 bis 87 v. Chr. aus Hanffasern erstellt worden. Die ältesten europäischen Funde stammen aus der Hallstattzeit zwischen 800 und 400 v. Chr. Vor allem der gewebte Stoff aus Hanfbast spielte damals eine Rolle.

hanfschnur

Garne, Seile und Taue wurden schon vor langer Zeit aus Hanf gefertigt

 

In Europa kam Hanf über Russland nach Litauen weiter nach Schweden. Im Süden war der Ursprung ebenfalls Zentralasien, wo die Pflanze über Kleinasien zu den Griechen, Römern und Galliern kam. Die ältesten Schriften über die Hanfnutzung fand man in Europa 800 n. Christus in einer erlassenen Wirtschaftsanweisung von Karl dem Großen, in welcher er die Bauern zum Hanfanbau anhielt. Im Jahre 1390 wurde die erste Papiermühle in Nürnberg eröffnet, in der vor allem durch die Erfindung des Buchdrucks große Nachfrage herrschte. So wurde einst auch die Bibel aus Flachs- und Hanffasern hergestellt. Bis ins 19. Jahrhundert wurden Schiffskarten, Papiergeld, Wertpapiere, Zeitungen und Bücher aus Hanf und Flachs erzeugt. Spanische Seefahrer brachten Hanf um 1500 dann erstmals nach Amerika. Später wurde in manchen Staaten der USA sogar den Bauern der Hanfanbau per Gesetz vorgeschrieben.

Zwischen 1631 und dem Beginn des 19. Jahrhunderts war Hanf in weiten Teilen Nordamerikas anerkanntes Zahlungsmittel. Levi Strauss fertigte 1870 die erste Jeans der Welt ebenfalls aus Hanf, da dieser Stoff sehr widerstandsfähig und reißfest war. In den USA wurde Hanföl auch als besonders hell leuchtendes Lampenöl sowie als Schmieröl für Flugzeugtriebwerke verkauft.

Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zum Einbruch des Hanfanbaus. Aufgrund der Entwicklung der Baumwollmaschine wurde die Verarbeitung der Baumwollfasern einfacher, wodurch Hanf- und Flachstextilien sukzessive verdrängt wurden. Weiterer Einflussfaktor war die Erfindung des chemischen Aufschlusses von Holz zur Gewinnung von Zellstoff zur Papierherstellung. In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhundert sorgte in Amerika eine Kampagne der Öl-, Papier- und Pharmaindustrie für den weiteren Rückgang der Hanfpflanze.

1937 wurde in den USA eine Gewerbesteuer für Hanfhändler und eine Erwerbssteuer für den Kauf von Marihuana eingeführt, wodurch Hanf zum unbezahlbaren Rohstoff wurde. Durch die Darstellung von Hanf in den Medien als enthemmende und gewalterzeugende Droge kam der Hanfanbau letztendlich völlig zum Erliegen.

rundangerdorf

Das Rundangerdorf Hanfthal anno 1935

Hanf in Österreich

Auch in Österreich lässt sich die mittelalterliche Verankerung von Hanf nachvollziehen. Zahlreiche Namensgebungen weisen auf den Anbau von Hanf hin, wie zum Beispiel in den niederösterreichischen Orten Amstetten („Hampstätten“) oder Hanfthal („Hanifthal“). Die Anbauflächen nahmen zur Zeit des zweiten Weltkriegs zu und sorgten dafür, dass auch eine Hanfverarbeitungsindustrie entstehen konnte. Durch die Entwicklung neuer Technologien zur Herstellung günstigerer Kunstfasern und durch die Einfuhr billigerer Naturfasern wie Jute, Sisal und Baumwolle kam es aber auch hier zum Niedergang des Hanfanbaus.

Ab dem Jahre 1969 wurde Nutzhanf nicht mehr in Statistiken erwähnt, da er in Europa nicht mehr angebaut werden durfte. Erst durch den EU-Beitritt 1995 wurde Cannabis sativa in Österreich wieder angebaut.

Die Hanfanbauflächen im ersten Wiederanbaujahr 1995 betrugen in Österreich 161 Hektar (geförderte Fläche). Aufgrund einer relativ hohen Förderung stieg die Gesamtfläche auch kontinuierlich weiter. 1999 kam es jedoch wieder zu einem Rückgang, da die Förderungen seit diesem Zeitpunkt nur mehr dann ausbezahlt werden, wenn die Landwirte einen Abnahmevertrag mit einem Erstanbieter vorweisen oder einen Nachweis für die Verarbeitung des Strohs erbringen bzw. gab es ab diesem Zeitpunkt überhaupt keine speziellen Förderungen für Nutzhanf mehr. Mit ein Grund für den damaligen Rückgang des Hanfanbaus waren auch die fehlenden Erntemaschinen und so war die Hanfernte immer wieder eine spezielle Herausforderung für die Landwirte.

Hanfanbau im Überblick

Daten der Bundesanstalt für Agrarwissenschaft zeigen die Veränderung der Hanfanbauflächen in Österreich vom Jahr 2002 bis 2010. Davor wurde Hanf immer gemeinsam mit Flachs ausgewiesen, wodurch ein Vergleich mit den Vorjahren nicht möglich ist. Die größte Anbaufläche von Hanf war 2006 mit 562 Hektar zu verzeichnen, in den Jahren danach gab es wieder einen starken Abfall. Aktuell sind die Anbauflächen allerdings wieder im Wachsen. Laut der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft lag die Gesamtfläche an Hanf im Jahr 2010 bei 540 Hektar, dies bedeutet eine Steigerung von 51,7 Prozent im Vergleich zum Jahr 2009.